Leica S2 - Größer ist doch besser!

Leica S2 – Größer ist doch besser!

Schön ist sie. Schwer ist sie. Groß ist sie. Wer immer eine Leica S oder S2 in der Hand gehabt hat, weiß, wie herrlich groß ein Sucherbild sein, wie unglaublich sicher eine Kamera in der Hand liegen und wie weich ein Kameraverschluss sein kann. Das Leica S-System zählt in vielen Bereichen zum Besten und Größten, was die digitale Fotografie bislang hervorgebracht hat.

Kurz zur Erklärung: Die Leica S2 ist eigentlich die Vorgängerin der Leica S – klingt unlogisch, ist aber so. Die S2 wurde 2008 vorgestellt und Ende 2009 erstmals ausgeliefert. Kürzlich wurde sie mit einigen Modifikationen von der neuen S abgelöst. S2 und S haben den gleichen Sensor und sind nur in einigen Details unterschiedlich.

Was bei der S gleich auffällt: Sie sieht wie eine ganz normale Spiegelreflexkamera aus, auch wenn in ihr ein Mittelformatsensor arbeitet. Und genau unter diesem Gesichtspunkt wollten wir sie auch einem Alltagstest unterziehen. So haben wir unsere Canon 5D Mark III zur Seite gelegt und sind ein Wochenende lang mit der S2 um die Häuser gezogen. Wir haben kein Mode- oder Landschaftsshooting damit gemacht, sondern „ganz normale Alltagssituationen“ ohne Stativ abgelichtet.

Was wir dabei herausgefunden haben, lesen Sie im Folgenden:

 

Gehäuse & Geschwindigkeit

Die Leica S2 ist kein Leichtgewicht. Mit 1.260g liegt das Gehäuse gewichtsmäßig zwischen Nikon D4 und Canon 1Dx. Kombiniert mit dem Summarit S 1:2,5/70mm wird dann die 2kg-Schwelle erreicht. Uns ist während des Tests das Gewicht der Kamera und der Objektive nicht negativ aufgefallen – ganz im Gegenteil. Die S liegt satt in der Hand. Durch ihr Gewicht erreicht man leichter einen sicheren Halt, weshalb auch längere Verschlusszeiten (1/60s) mit etwas Bedacht noch aus der Hand zu halten sind, obwohl der Sensor so viele Details auflöst, dass jede noch so kleine Verwacklungsunschärfe zu bemerken ist.

Die Bedienung der Kamera ist sicher gewöhnungsbedürftig. 30 Minuten intensive Beschäftigung mit den Einstellmöglichkeiten und der grundsätzlichen Bedienung sollte schon jeder aufwenden, der mit der Kamera zügig arbeiten will. Nachdem es mittlerweile einige Firmware-Updates gegeben hat, lassen sich alle wichtigen Einstellungen recht flott vornehmen. Jedoch ist die Kamera für Einstellungen wie Belichtungskorrektur oder ISO vom Auge zu nehmen, was den Arbeitsfluss ein wenig verzögert.

Die Leica S2 gehört nicht zu den schnellsten Kameras. Jedoch ist sie spontan genug, um flott arbeiten zu können. Der Autofokus (er arbeitet über einen Autofokus-Punkt in der Mitte des Bildfeldes) ist nach heutigen DSLR-Maßstäben eher gemütlich. Wir haben ihn auch vor die Herausforderung des kontinuierlichen Scharfstellens gestellt, da sich eines unserer weiblichen Motive immer wieder vor und zurück bewegt hat. Und selbst unter diesen Bedingungen gelangen uns einige scharfe Aufnahmen. Wir würden dies als „zufriedenstellend“ bewerten.

Wer gute Augen hat, kann zur manuellen Scharfstellung wechseln. Durch den großen Sucher ist dies ein Leichtes. Wechselt man die Mattscheibe der S2 gegen jene mit Schnittbildindikator aus, wird die manuelle Scharfstellung zum Vergnügen. Dies macht vor allem Sinn, wenn Sie über einen Leica S-Adapter Fremdobjektive wie jene von Hasselblad, Mamiya oder Pentax verwenden möchten.

Übrigens kann die S2 bis zu einer Verschlusszeit von 1/4000s arbeiten, was zum Einsatz lichtstarker Objektive ermutigt, um den Vorteil der geringen Schärfentiefe und der weichen Hintergrundunschärfe voll ausnützen zu können.

Alles in allem ist die S2 in Sachen Gehäuse und Geschwindigkeit eine durchaus alltagstaugliche Kamera, die mit ihrer extrem hohen Qualitätsanmutung und dem herrlichen Sucherbild immer wieder Freude macht. Sie gehört zu jenen gar nicht so vielen Kameras, die wir einfach in die Hand nehmen und auslösen möchten.

 

Sensor, Bildqualität und Bildeigenschaften

In der S2 arbeitet wie in der S ein sogenannter Mittelformatsensor. Dieser ist 45 mal 30mm groß. Damit ist der Sensor rund 1,5mal so groß wie ein Sensor im Kleinbildformat, wie er in den Vollformatkameras von Canon oder Nikon arbeitet. Dies bedeutet, das das „Standardobjektiv“ der S, das Summarit-S 1:2,5/70mm ca. einem 45mm-Objektiv an einer Kleinbild-DSLR entspricht. Was sich mit dem größeren Sensor ebenfalls einstellt, ist eine geringere Tiefenschärfe bei gleicher Brennweite. Dies wiederum bedeutet, dass das 70mm Leica S-Objektiv bei Blende 2,5 ungefähr einem 45mm Kleinbildobjektiv bei Blende 1,6 entspricht.

Am Sensor der S2 sitzen 37,5 Millionen Pixel. Im Vergleich zur hohen Sensorgröße sind das sogar relativ wenige Pixel, was eine hohe Abbildungsqualität eines jeden einzelnen Pixels verspricht. Und diese ist zweifelsohne sichtbar. Hier ein Beispiel: Zunächst das Originalbild, dann ein 100%-Ausschnitt:


 

Was Sie hier sehen, gehört zum Besten, was digitale Kameras von heute leisten können. Doch dafür sind auch die Objektive mit verantwortlich. Beide von uns verwendeten Objektive, das bereits erwähnte Summarit-S 1:2,5/70mm sowie das Apo-Macro-Summarit-S 1:2,5/120mm zeigten bei jeder Blende sowohl in der Bildmitte wie auch am Rand hervorragende Ergebnisse. Da war auch in den Bildecken und Offenblende nichts von Unschärfe zu sehen. Die Kombination aus hervorragendem Sensor und famosen Objektiven macht sich hier bezahlt.

Wenn richtig fokussiert wird, sind die Fotos aus dem Leica S-System brillant, scharf, detailreich und ein farblicher Genuss. Und sie haben einen äußerst plastischen Look, der in Kameras mit kleinerem Sensor kaum oder gar nicht zu finden ist.

Zur Alltagstauglichkeit gehört heute auch eine gewisse Flexibilität bei den ISO-Einstellungen. Die S2 bietet einen ISO-Bereich von 80 bis 1.250 ISO. Dieser ist im Vergleich zu Digitalkameras mit kleineren Sensoren nicht gerade beeindruckend. Auch einige Mittelformatkameras und –rückteile bieten mehr. Wir haben im Laufe unseres Tests festgestellt, dass die maximale Empfindlichkeit von ISO 1.250 Fotos produziert, die durchaus verwendbar sind. Wir raten aber eher davon ab, große Prints davon herzustellen. Hier ein Beispiel:

Übrigens bietet die S2 auch eine Auto-ISO Funktion, die frei konfigurierbar ist.

 

Die Verabschiedung

Traurig war sie, die Verabschiedung. Ich erinnere mich noch zurück an die Zeiten, als wir mit Film fotografiert haben. Über Jahre hinweg hatte ich auf Kleinbild fotografiert. Und eines Tages habe ich mir eine Hasselblad geborgt und einige Tage später hielt ich die ersten Mittelformat-Dias in der Hand. Augenblicklich verlor Kleinbildfotografie an Attraktivität. Die Hasselblad-Dias waren so schön und groß und man sah so viele Details, die man auf Kleinbild nicht sehen konnte.

Ähnlich ging es mir, als ich mit der Canon EOS 5D meine erste Vollformat-Kamera in Händen hielt, die so viel besser war, als alles, was ich bislang auf APS-C-Sensoren gesehen hatte.
Leider geht es mir gerade wieder gleich. Die Canon 5D Mark III mutet nach der Leica S-Erfahrung wie ein Spielzeug an – ein sehr gutes, aber eben ein Spielzeug. Natürlich liegt zwischen den Kameras ein Preisunterschied von rund 15.000 Euro. Und auch die Anwendungsgebiete sind aufgrund ihrer höheren Flexibilität bei der Canon viel weiter. Aber ich vermisse die große, starke Leica S2 - ob für Hochzeitsfotografie oder geplante Äthiopien-Reise im Frühherbst.

Vielleicht kehrt sie ja eines Tages zurück zu mir...

Im Folgenden nun einige Fotos, die an dem allzu kurzen Wochenende mit der S2 entstanden sind. Alle Fotos wurden in RAW fotografiert und in Adobe Lightroom 4 nachbearbeitet.

 


70mm, f2.5, 1/180s, ISO 160


Der Judenburger Arbeitermusikverein am 30.4.2013
7
0mm, f2.5, 1/350s, ISO 160


G
roße Gesten vom Kapellenmeister
70mm, f2,5, 1/350s, ISO 160


7
0mm, f2.5, 1/125s, ISO 1.250


Der Architekt in seiner Baustelle
70mm, f2,5, 1/125s, ISO 320


70mm, f2,5, 1/25s, ISO 320


70mm, f2,5, 1/350s, ISO 320


70mm, f2,5, 1/180s, ISO 160


70mm, f2,5, 1/125s, ISO 1.250


120mm, f2,5, 1/750s, ISO 160


120mm, f2,5, 1/3000s, ISO 160


120mm, f2,5, 1/4000s, ISO 160


120mm, f2,5, 1/250s, ISO 160


120mm, f2,5, 1/250s, ISO 160


120mm, f2,5, 1/1500s, ISO 160


120mm, f2,5, 1/4000s, ISO 160


70mm, f2,5, 1/1000s, ISO 160


70mm, f2,5, 1/25s, ISO 160

Alle Fotos (C) Wolfgang Spekner 2013




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