Leica M (Typ 240) mit Nocitlux-M 50mm 1:0,95

Leica M (Typ 240) mit Noctilux-M

 

Was Sie hier sehen, ist das teuerste Kleinbild-Vollformat-Kamera-Normalobjektiv Set, das derzeit am Markt zu haben ist: Die modernste Leica M aller Zeiten mit dem Codenamen M240 und das Leica Noctilux-M 1:0,95/50mm ASPH. Gesamtpreis: rund 15.200 Euro.

Zum Vergleich: Eine Canon EOS 1Dx (das aktuell teuerste Canon-DSLR-Modell) mit dem Canon EF 50/1.2L (das aktuell lichtstärkste Canon DSLR-Objektiv) kommt auf rund 7.850 Euro, also gerademal die Hälfte.

Aber dieser Erfahrungsbericht soll kein Vergleichstest werden, denn – wie kürzlich ein Leica-Blogger im Internet geschrieben hat: „Eine Leica M ist keine Kopfentscheidung, sondern eine Entscheidung des Herzens.“

Wir wollen heute herausfinden, was an einer Leica M und ihren Objektiven unser Herz beglückt. Und vielleicht stolpern wir sogar über das eine oder andere Argument, das auch unseren Kopf von einer Entscheidung zum M-System überzeugen kann.

 

Das Leica M-System ist legendär.

Reportagefotografen haben in analogen Zeiten ganz klar auf die M als Werkzeug ihrer Wahl gesetzt. Entscheidend dafür waren unter anderem die kompakten Abmessungen, die kleinen, hervorragenden, lichtstarken Objektive, die leise, fast geräuschlose Arbeitsweise und die hervorragende Mechanik der Kameras.

Auch heute setzen unzählige Reportagefotografen auf die Qualitäten des M-Systems, auch wenn der digitale Umstieg für Leica selbst nicht ganz reibungslos funktionierte. Die UV-Lichtempfindlichkeit sowie das Rauschen des M8-APS-H-Sensors, der niedrig auflösende Monitor der M8- und M9-Modelle sowie die Zögerlichkeit bei der Datenspeicherung waren die Hauptkritikpunkte an den bisherigen digitalen M-Modellen.

Trotz dieser Punkte setzen und setzen viele Fotografen – Profis wie Liebhaber – auf M8 und M9 – und das aus gutem Grund, denn – korrekt benützt – produzieren diese Kameras auch dank der Spitzenoptiken von Leica hervorragende Bilder.

 

Das große Staunen.

Ein regelrechtes Aufatmen und Staunen ging jedoch durch die Fotowelt, als Leica seine jüngste M-Errungenschaft, die Leica M (Typ 240) am 17.9.2012 vorstellte. Vor kurzem wurden nun die ersten Leica M an ihre ungeduldig wartenden Kunden ausgeliefert.

Was macht die Leica M (Typ 240) zu etwas Besonderem in der M-Familie?

Zunächst setzt die M erstmals auf einen CMOS-Sensor statt wie bisher auf einen CCD-Sensor. Der CMOS-Sensor verspricht geringeres Rauschen und ermöglicht LiveView sowie die Aufnahme von Videos – das zweite und dritte Novum der neuen M.

Sie ist auch die erste M, die via Adapter mit Leica R-Objektiven verbunden werden kann. Um dieses Potential voll auszunützen und da der klassische Sucher der M dafür nicht geschaffen ist, besitzt die M eine Anschlussmöglichkeit für einen elektronischen Sucher, über den dann nach Lust und Laune gezoomt und scharfgestellt werden kann.

Abgerundet wird die M durch einen hochauflösenden Monitor, ein zügiges Datenmanagement und ein Spritzwasser geschütztes Gehäuse.

Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe an Detailverbesserungen (der angenehm ruhige und unauffällige Verschluss und Aufzug sei hier erwähnt), die das Leben mit der M komfortabel und erlebnisreich machen.

Als Fazit kann schon vor dem ersten Foto festgestellt werden: den technischen Daten nach zu urteilen, ist dies flexibelste M aller Zeiten mit den besten technischen Voraussetzungen unter allen bisherigen digitalen M-Kameras.

 

Der Sensor.

Die Leica M-Filmmodelle galten als Available Light Werkzeuge. Im digitalen Zeitalter wurde jedoch das Thema „Available Light“ geradezu revolutioniert. Wurden früher Filme bis maximal 3.200 ASA verwendet (die übrigens aufgrund ihrer Grobkörnigkeit ausschließlich als schwarz-weiß Filme Sinn machten), so dringen wir mit den aktuellen Digitalkameras in ISO-Welten vor, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Die bisherigen digitalen M-Modelle waren hier alles andere als Musterschüler.

Die Lösung für Leica lag schließlich darin, den Weg der CCD-Sensoren zu verlassen und auf die CMOS-Technologie zu setzen. Ohne Sie in weitere technische Details zu entführen, zeigen wir Ihnen im Folgenden 100%-Ausschnitte desselben Motivs bei den ISO-Stufen 200, 400, 800, 1.600, 3.200 und 6.400. Die Fotos wurden im DNG- also RAW-Format aufgenommen und in Adobe Lightroom ohne Rauschreduzierung geöffnet. Überzeugen Sie sich selbst! (Zum Vergrößern anklicken!)

 

ISO 200:

ISO 400:

ISO 800:

ISO 1.600:

ISO 3.200:

ISO 6.400:

Wie Sie sehen können, sind selbst Fotos bei ISO 6.400 durchaus verwendbar, was das Rauschen anbelangt. Wer es wünscht, kann hier problemlos die Rauschreduzierung des RAW-Converters anwenden und erreicht so rauscharme Bilder, die gut vergrößerbar sind (siehe folgendes Beispiel bei ISO 6.400):

 

Dynamikumfang:

Die Dateien aus der M sind ausgesprochen gut bearbeitbar. Es wird schnell klar, dass der Sensor der M einen größeren Spielraum in den Tiefen als in den Lichtern bietet. Das heißt, dass immer auf die Lichter belichtet werden sollte, um grau ausgefressene Bereiche im Bild zu vermeiden. Allfällige Tiefen sind in der Nachbearbeitung im Allgemeinen gut wieder herstellbar sind.

Im Folgenden ein Beispiel von ausgefressenen Lichtern:

Und hier wurde auf die Lichter belichtet und die dunklen Bereiche in der Nachbearbeitung wiederhergestellt:

 

Live View:

Ein hervorragendes Novum in der M ist die Live View Funktion. Das folgende Beispiel zeigt, warum:

Der dunkle Holzverschlag im Vordergrund hat zwar für den Sucher der M den Blick auf die Blüten freigehalten, jedoch nicht für das Objektiv, so dass weder scharfgestellt noch der richtige Bildausschnitt gewählt werden konnte. Zur Lösung haben wir Live View aktiviert und konnten so über den Monitor entspannt scharfstellen:

 

Grundsätzliche Funktion & Bedienung

Abgesehen von einigen neuen Knöpfen wie M für Movie oder LV für Live View ist die M (Typ 240) in der Bedienung eine echte M geblieben. Das wertige Gehäuse, die Exaktheit der Funktionsräder und die Einfachheit und Klarheit in der Bedienung sind vorbildlich. Wir verweisen Sie an dieser Stelle auch auf unseren Testbericht über die M9, in dem vieles, was dort über die M9 gesagt wird, auch für die neue M gilt.

 

Das Nachtsichtgerät.

Wir haben in unserer kurzen Zeit mit der M drei Objektive darauf verwendet: Das Leica Summicron-M 1:2/35mm ASPH., das Zeiss Planar T* 2/50 ZM sowie das Leica Noctilux-M 1:0,95/50mm ASPH.

Wie Sie sich vorstellen können, war natürlich das Noctilux eine besondere Herausforderung für uns. Einerseits liefert es Bilder, die mit keinem anderen digitalen Kamerasystem herstellbar sind, was die Hintergrundunschärfe betrifft. Und wir wollten wissen, ob der Messsucher der M der geringen Schärfentiefe gewachsen ist, wenn es ums Scharfstellen geht.

Dazu auch gleich die Antwort: Scharfstellen bei Blende 0,95 ist eine „Hit & Miss“ Erfahrung, zumindest wenn man den Messsucher benützt. Das folgende Beispiel zeigt sehr deutlich, dass hier aufgrund der geringen Schärfentiefe auf das falsche Auge scharfgestellt wurde:

Leichter geht es bei Verwendung des Live View oder eines elektronischen Suchers, da hier auch eine Fokus-Peaking-Funktion zur Verfügung steht, mit der scharfe Elemente mit einer roten Linie markiert werden. Mit einiger Erfahrung funktioniert dies auch sehr rasch und ersetzt so das mühsame Scharfstellen über den Messsucher.

Was bleibt, sind Fotos, die mit einer cremigen Unschärfe und einer guten Schärfe überzeugen. Die chromatischen Aberrationen sind bei Blende 0,95 durchaus zu sehen, sind aber über eine entsprechende Bildbearbeitungssoftware korrigierbar. Im Folgenden ein Beispiel:

Was bleibt über die Kombination Noctilux und M (Typ 240) zu sagen? Es ist eine Erfahrung, die wir jedem Fotografen wünschen. Die Fotos zeichnen sich bereits ab Blende 0,95 durch eine Brillanz aus, die zum Staunen bringt. Die Bilder sehen aus, als könnte man sich ganz weich in sie hineinlegen. Sie zeugen von einer Sanftheit bei gleichzeitiger Authentizität. Es gibt wohl kaum eine schmeichelndere Darstellung der Welt, was besonders für Hochzeitsfotografen von großem Interesse sein dürfte.

 

Herz oder Kopf?

Bleibt die Frage zu beantworten: Entscheidet sich Herz oder Kopf für eine M und ein Noctilux?

Das Herz auf alle Fälle. Die Fotos sprechen eine Bildsprache, die mit keiner anderen digitalen Kamera-Objektiv-Kombination in dieser Perfektion herstellbar ist. Und dies ist auch das wesentlichste Argument für den Kopf. Als Hochzeitsfotograf macht diese Kombination durchaus Sinn, um sich von anderen Fotografen durch die Bildwirkung abzuheben. Hinzu kommt das Kopf-Argument, dass die Leica M-Objektive bereits ab Offenblende hervorragend sind, was bei den Objektiven anderer Hersteller nur selten der Fall ist. Hinzu kommt die Kompaktheit des M-Systems und die neue Möglichkeit, in die große Welt der R-Objektive einzutauchen, die übrigens am Gebrauchtmarkt zu durchaus günstigen Preisen zu haben sind.

Wir schließen dieshalb unseren Erfahrungsbericht mit den Worten ab: Herz und Kopf finden in der Leica M Gründe, sie haben zu wollen. Bleibt nur die Frage, ob man sie sich leisten kann.

Für alle, die das können, hier ist die Kamera zu bestellen!

Wir entlassen Sie mit einigen Beispielen aus der M und dem Noctilux, großteils bei Offenblende fotografiert (zum Vergrößern anklicken). Alle Fotos wurden im DNG-Format fotografiert und in Adobe Lightroom 4 bearbeitet:

 




















S
ummicron-M 1:2/35mm ASPH.


Summicron-M 1:2/35mm ASPH.























 


Alle Fotos (C) Wolfgang Spekner 2013




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